Reisebericht Hurtigruten im Mai 2025

Aufgezeichnet von unserer Reisebegleitung Petra Franzmann

16 Personen starteten gemeinsam mit mir als Reisebegleiterin ganz entspannt am späten Vormittag am Flughafen Luxemburg. Über Amsterdam kamen wir am frühen Abend in Oslo an. An diesem Samstag feierte ganz Norwegen den Nationalfeiertag. Am 17. Mai 1814 wurde die norwegische Verfassung unterzeichnet, der Tag gilt als Geburtsstunde Norwegens. Von allen Seiten hörte man ein „Happy Birthday“. Aus vielen Landesteilen kommen die Norweger und Norwegerinnen mit ihren farbenprächtigen Trachten an diesem Tag zusammen und sie feiern durchaus auch mit Alkohol, obwohl dieser in Norwegen richtig teuer ist.

Bestes Wetter begleitete uns am nächsten Tag auf unserer Zugfahrt mit der Bergenbahn nach Bergen. Gut 500 km und eine Höhendifferenz von 1237 m von Oslo nach Bergen bescherten uns die unterschiedlichsten Landschaften mit Bildern aus dem Frühsommer bis zum Winter in den Bergen. Der Fotoapparat kam gar nicht zur Ruhe, so toll waren die Eindrücke bei durchgehend blauem Himmel.

Nach einer Stadtrundfahrt in Bergen ging es zur Einschiffung. Die Kabinen waren schnell gefunden, das Gepäck eingeräumt. Verglichen mit Reisen auf Kreuzfahrtschiffen geht es auf den Hurtigruten Schiffen eher familiär zu, da fällt die Orientierung leicht. Neben dem geräumigen Außendeck gibt es immer einen freien Platz auf dem „Restaurantdeck“, wo man im gemütlichen Sessel die Landschaft vorbeifließen lassen kann.

Essen wird am Abend in zwei Sessionen serviert, Frühstück und Mittagessen finden in Buffetform statt. Auch wenn das Essen wirklich hervorragend ist, das Beste ist die Landschaft, die mit den großen Panoramafenstern nebenbei serviert wird.

Täglich am frühen Abend präsentiert ein versiertes Expeditionsteam die Landausflüge für den nächsten Tag – in Deutsch, in Englisch, Norwegisch und Französisch. Anschließend darf gebucht werden. Das Personal ist durchgehend sehr freundlich und hilfsbereit. Wer bereits vorab gebucht hat, jetzt aber nach der Präsentation eine neue Entscheidung treffen will – jedem wird geholfen, soweit es irgendwie möglich ist.

Alle Landausflüge waren perfekt organisiert. Wer auf eigene Faust auf Erkundungstour gehen wollte, konnte sich für Tipps ebenfalls an das Expeditionsteam wenden. Im einen oder anderen Hafen fanden auch kostenlos kleinere Rundgänge statt.
Veranstaltungen an Bord gab es natürlich auch. Die Überquerung des Polarkreises wurde sowohl auf der Hin- wie auch auf der Rückreise „gefeiert“. Neben der berühmten Eistaufe auf der Hinreise, bei der nicht zu wenig Eiswürfel in den Rückausschnitt gegeben wurden, gab es auf der Rückreise einen Löffel Lebertran. Manch einer wurde bereits durch die Kindheitserinnerungen verjüngt!

Welche Ausflüge waren aus Sicht unserer Reisegruppe insgesamt gesehen die besten? Diese Frage konnte niemand mit nur einem Satz beantworten. „Nordkap muss sein“, da waren sich alle einig. Ob Frühstückstour oder Tagestour war dann schon eher strittig. Bei beiden Touren bestand die Gelegenheit, ein Foto ganz alleine mit der Weltkugel aufzunehmen, der große Andrang von Touristen bestand im Mai noch nicht. Die Besichtigung des Schneehotels, der Ausflug zu den Vesteralen, die Seeadlersafari, die Lofoten oder das nächtliche Konzert in der Kirche in Tromsoe – für jeden war etwas dabei und in der Regel waren auch Bekannte aus der Gruppe mit von der Partie.

Ich erinnere mich gerne an die Wanderung in Urke. Das „Städtchen“ hat aktuell 38 Einwohner, eine Geburt steht an und drei Personen wollen hinziehen. Das macht bereits einen Bevölkerungszuwachs von gut 10%. Den Wegweiser nach Urke Downtown hielt ich trotzdem für übertrieben Zum guten Schluss hatte die Bahnfahrt von Trondheim zurück zum Flughafen nach Oslo noch eine Überraschung für uns: Etwa zwei Stunden vor Oslo hieß es, dass die Weiterfahrt des Zuges verzögert sei. Ein Unfall auf den Gleisen sei das Hindernis. Aha, haben wir gedacht. Die Bahn – wie immer. Hoffentlich erreichen wir unseren Flug.
Die von uns befragte Schaffnerin teilte uns dann auch mit, dass man noch nicht wisse, wann es weiterginge. Wir möchten doch bitte aussteigen und mit dem Bus weiterfahren.
Aha, haben wir wieder gedacht. Mal sehen, wie lange das dauert.

Aber Norwegen ist nicht Deutschland. Die Busse für die Reisenden nach Oslo (und das waren nicht wenige) standen schon bereit. Der Umstieg mit Gepäck lief reibungslos. Wir kamen mit wenig Verspätung am Flughafen an und haben unseren Flug problemlos erreicht. So kann es auch gehen.
Die einhellige Meinung unserer Gruppe war, dass man diese Reise kaum besser machen kann. Vielleicht noch ein paar Nordlichter, die wir nicht gesehen haben. Dafür würden die meisten zu einer anderen Jahreszeit nochmal an Bord von Hurtigruten gehen.
Ach ja, viele von uns haben dem Wettergott gedankt, dass er uns so viel Sonne beschert hat. Bei der Durchsicht der Fotos, war das Wetter an entscheidenden Orten richtig klasse gewesen, aber doch nicht immer so gut wie in der Erinnerung. Es hat einfach immer gepasst. Wenn man in einen engen Fjord fährt und die Felsen zum Greifen nahe sind, passt etwas Regen gut. Auch diese mystische Stimmung werden wir nicht vergessen.


Überhaupt sind es ganz viele Erinnerungen, die wir mit nach Hause nehmen. Auch die norwegische Freundlichkeit und die Gelassenheit hätten wir gerne eingepackt, die Helligkeit des Midsommers, das Miteinander in der Reisegruppe und das Tuten des Schiffshorns, wenn es die Rückkehrer eines Ausflugs schon kurz vor dem Hafen begrüßt hat. Dazu waren dann alle an Bord gebliebenen eingeladen, von Bord des Schiffes schon einmal zu winken.

Das sind emotionale Momente, die man nur schwer beschreiben kann.

Ich wäre bei der nächsten Reise gerne wieder dabei. Das Schiffshorn ruft schon sehnsüchtig.
Petra Franzmann, Reisebegleitung